Wie viel Freiheit trauen wir uns zu?

Brexit , Trump , Denkmal der Schande – Freiheit ist für uns selbstverständlich – aber wie frei ist unsere Haltung gegenüber aktuellen, (kritischen) Geschehnissen? Die Masteranden der HSN laden ein zur Entdeckung neuer Perspektiven und Meinungsbildung durch Beiträge von prominenten Gästen und einer von den Studenten kuratierten Ausstellung.

Krefeld, März 2017 - tagtäglich werden wir mit Themen konfrontiert, zu denen wir Haltungen entwickeln sollen. Dafür nutzen wir beispielsweise die Politische Korrektheit, die zur Grundeinstellung westlicher Kulturen geworden ist und die Gleichberechtigung aller Kulturen, Glaubenssysteme und Lebensformen fordert. Wer die Nachrichten verfolgt, begegnet großen und kritischen Themen, wie zum Beispiel die Frage, wie man zu dem neu ernannten US-Präsidenten Donald Trump steht. Große Unruhen und Bewegungen entstehen auch in Europa und nicht zuletzt bei uns, hier in Deutschland. Und allmählich verliert die einst verlässliche Politische Korrektheit ihre Bedeutung und ihren Wert. Kann sie überhaupt eine Lösung beinhalten? Bedeutete sie nicht Freiheit? Doch wie frei bin ich durch sie in meiner Meinungsbildung überhaupt? Wo positioniert man sich denn nun?

Aufklärung 2.0 - Kreativität verteidigt Freiheit

Eine kleine Gruppe junger Design-Studenten der Masterklasse „Design Projects“ der HS-Niederrhein in Krefeld hat sich genau mit dieser Frage der Positionierung kreativ auseinandergesetzt. Und natürlich blieb die Frage, wie Kreativität sich mit derart kritischen Themen befassen und gleichermaßen Gemüter öffnen kann, für eine neue Weitsicht und vielleicht sogar Einsicht?

Die Arbeiten unterliegen verschiedensten Themen und Herangehensweisen. Spannende Foto-Dokumentationen, spielerische Lösungswege, wie z.B. ein Quiz mit prekären Fragestellungen und subversive Aktionen gegen politisch unkorrekte Gruppen bieten viel Freiraum und neue Erkenntnisgewinnung für die eigene Positionierung und einer fundierten Haltung in dieser Welt.

Zivilisiert Verachten

Fundament und Inspiration dieses Projektes ist das Buch „Die zivilisierte Verachtung“ von Carlo Strenger. In seinem Buch vertritt er die These, dass wir vor der „absurden Situation *stehen+, dass der vorgeblich tolerante, faire und für kulturelle Unterschiede sensibilisierte Westen selbst zum Opfer [von] Intoleranz geworden ist.“ (Carlo Strenger) Menschenwürde, Meinungs- und politische Freiheit sowie Emanzipation sind unsere westlichen Werte. Wie können wir diese verteidigen? Wie können wir starke Haltungen entwickeln? Wie können wir unsere Gesellschaft gestalten? Carlo Strenger beantwortet diese Fragen mit dem Konzept der ‚Zivilisierten Verachtung’. Könnte die Zivilisierte Verachtung die Politische Korrektheit ablösen und die Aufklärung 2.0 bedeuten?

Diskutieren und Gestalten, um zu Erreichen

Die Antwort liefern die Studenten in einem selbst organisierten Symposium, welches als Veranstaltung am 4.4.2017, um 18 Uhr an der HS Niederrhein in Krefeld stattfinden wird. Geladen sind prominente Gäste wie Friederike Fass, eine Kuratorin des MARTA Museums Herford, Stefan Waghubinger, ein österreichischer Kabarettist, Cartoonist und Kinderbuchautor, Reiner Funke, Professor für Design Theorie der Universität Potsdam und Bastian Preussger, Illustrator. Eines haben die geladenen Gäste gemeinsam, nämlich eine Meinung, wie Kreativität bei der Meinungsbildung helfen kann, denn sie alle haben sich bereits kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt.

Diskutiert wird zum Thema „Kreativität verteidigt Freiheit“, natürlich auch unter dem Aspekt der These der Zivilisierten Verachtung, von Carlo Strenger. Visuell abgerundet wird die Podiumsdiskussion durch die Ausstellung der über 15 Exponaten, die die jungen Designer und Denker entwickelt haben. Das selbsternannte Ziel der jungen Künstler ist es, durch die kreativen Projekte und eine anregende Podiumsdiskussion, Menschen zu erreichen, sie zu politisieren und neue Wege der Meinungsbildung offenzulegen.

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